Forschung

In meiner Doktorarbeit hinterfragte ich die immer noch weitverbreitete Auffassung, dass transnationaler Feminismus nicht mehr als ein Mittel zur Grenzziehung zwischen einem erhabenen "wir" und unterentwickelten "Anderen" ist. Das, so das Argument, zeige sich im einseitigen Transfer von feministischem Wissen vom Westen ins ex-kommunistische Europa und darin, dass er mit dem Ende des Kommunismus anfing, um die Vormachtstellung des Westen zu zementieren.

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Basierend auf den Fallbeispielen Russland und Serbien zeigte ich auf, dass diese Kritik am transnationalen Feminismus ahistorisch und empirisch schwach belegt ist. Vor allem aber zeigt meine Forschung, dass Feministinnen vor Ort diese Kritik vehement ablehnen, weil die Logik, die ihr zugrunde liegt, dem Argument des eigenen autoritären Regimes allzu fest ähnelt: Die Idee, dass Feminismus und "Gender Ideologie" eine fremde, Westliche List sei, welche in die unberührten Gesellschaften importiert und ihnen aufgezwungen werde, um ihre "traditionellen Werte" zu zerstören und sie damit zum implodieren zu bringen.

Die zentrale These meiner Arbeit ist daher, dass genau diese diskursive Resonanz mit dem autoritären Regime die etablierte Kritik am transnationalen Feminismus als einseitiger Wissenstransfer aus der Warte von Feministinnen vor Ort nicht nur unvorstellbar, sondern gar höchst riskant macht.

Feministinnen möchten sich vielmehr dem autoritären Regime widersetzen, anstatt unverhofft dieselben Argumente zu reproduzieren, die gegen sie benutzt werden. Darum weisen sie die Kritik nicht nur zurück, sondern offerieren im Gegenzug alternative Vorstellungen von transnationalem Feminismus und nutzen so den kleinen Spielraum, der noch bleibt, für Subversion.

Aus zwölf eingereichten Dissertationen zeichnete die Schweizerische Gesellschaft für Geschlechterforschung meine Forschungsarbeit mit einer Ehrenhaften Nennung aus aufgrund ihrer "besonderen politischen Relevanz für transnationalen Feminismus und der gegewärtigen Entwicklungen in Russland und Serbien". Es war erst das zweite Mal, dass die SGGF eine solche Auszeichnung vergab und das erste Mal, dass sie an eine Arbeit aus der Politologie ging.

Während meiner Forschungszeit in Serbien beobachtete ich Generationenunterschiede zwischen Feministinnen. Da dies nicht Teil meiner Promotion war, habe ich diese Erkenntnisse in einer separaten Arbeit zu NGOisierung als struktureller Faktor, der inter-generationelle Beziehungen beinfluss, gebündelt und in der Zeitschrift Women's Studies International Forum publiziert.

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Angewandte Forschung

Bei swisspeace führe ich regelmässig angewandte Studien durch. Eines der grössten Projekt bisher war mit der Fragestellung wie die  Teilnahme von Frauen in Friedens- und politischen Prozessen mit der Care zusammenhängt.

Als Projektleiterin konzeptualisierte ich die tägliche Fürsorgearbeit die Frauen auf physischer und emotionaler Ebene erbringen als essenziell Friedensförderung. Dennoch wird diese Arbeit nicht anerkannt wenn es darum geht, fähige Mediator*innen und Teilnehmer*innen an offiziellen Friedensprozess zu bestimmen. Care-Arbeit ist darum gleichzeitig fundamental für unser aller Sicherheitsgefühl aber auch ein zentrales Hindernis für politische Teilnahme.

 

Wir haben drei Hindernisse zur politischen Partizipation von Frauen herausgeschält, die mit Care zu tun haben: die unterfinanzierte Care Ökonomie, die Überbelastung durch Care-Arbeit sowie Genderrollen, die Stereotypen fördern, welche die sorgeerbringende Rolle von Frauen "naturalisieren" und herabwerten und dadurch auch das Selbstwertgefühl von Frauen herabsetzen, welches essenziell ist, um sich öffentlich einzubringen. Wir haben ausserdem aufgezeigt, wie eine feministische Auffassung von Frieden und Gewalt zu einer umfänglicheren Umsetzung der UNO Agenda Frauen, Frieden, Sicherheit und genuinen Förderung der Partizipation von Frauen beitragen würde.

 

Das Projekt war eine Zusammenarbeit zwischen KOFF, der Schweizer Plattform für Friedensförderung (welche von swisspeace fazilitiert wird) und zwei ihrer Mitglieder: cfd - die feministische Friedensorganisation und FriedensFrauen Weltweit. Gemeinsam waren wir in einem laufenden Lernprozess involviert, wo wir Erfahrungen aus der Schweizerischen Zivilgesellschaft und ihrer Partnerorganisationen sammelten und diese in Form von Handlungsempfehlungen für das Eidgenössische Departement für Auswärtige Angelegenheiten und dessen Umsetzung der UNO Agenda Frauen, Frieden, Sicherheit aufbereiten.

Aktuell führe ich eine einjährige Studie durch, in der ich für das französische Aussenministerium analysiere, wie Männlichkeiten mit Gewalt und Frieden zusammenhängen . Basierend auf den Fallstudien aus Libanon und Tunesien wird die Studie zu Frankreichs Bemühungen um eine feministische Diplomatie, wirksame Konfliktprävention und nachhaltigen Frieden beitragen und insbesondere in ihre neue Strategie für Prävention, Resilienz und nachhaltigen Frieden einfliessen.

Zu weiteren Projekten gehörte eine für ElBarlament durchgeführte Studie darüber, wie die Beteiligung von Frauen in der irakischen Provinz Ninive gesteigert werden kann.